Therapie von Schlaganfällen
Mehr als 100 Zentren zur spezialisierten Therapie von Schlaganfall-Patienten gibt es mittlerweile in Deutschland. Diese Einheiten finden sich in vielen Krankenhäusern. Dort erfolgt eine Behandlung der Betroffenen nach den neuesten Erkenntnissen und mithilfe modernster Apparaturen. Eine Liste dieser Schlaganfall-Einheiten findet sich im Internet bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Chancen auf eine Wiederherstellung der Gesundheit sind gut, wenn die Therapie nach drei, maximal sechs Stunden beginnt.
Erste Hilfemaßnahmen bei Schlaganfällen
Unmittelbar nach dem Absetzen eines Notrufs ist es wichtig, den Patienten weiter zu betreuen, seinen Oberkörper erhöht zu lagern und ständig sein Bewusstsein zu kontrollieren. Weder weitere körperliche Belastung, noch Essen oder Trinken sind ratsam. Der Betroffene sollte nichts zu sich nehmen, weil akute Aspirationsgefahr besteht – umgangssprachlich: Eindringen von Nahrungsresten oder Flüssigkeit in die Lungen. Schluckstörungen, in der Fachsprache auch Dysphagie, kommen häufig bei Schlaganfall-Patienten vor.
Therapie im Akutstadium
Zur Sicherung der Diagnose Schlaganfall , auch Hirnschlag oder Apoplex, rät die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe dazu, die Betroffenen in ein spezialisiertes Krankenhaus mit einer so genannten Stroke Unit zu bringen. Nach entsprechender Diagnostik mithilfe eines Computertomographen (CT) entscheidet der Arzt, welche Therapiemaßnahmen zu ergreifen sind. Abhängig davon, ob eine Hirnblutung oder ein ischämischer Infarkt (unblutiger Schlaganfall) vorliegt, entscheidet der Arzt sich für eine Therapie.
Ischämischer Infarkt
Handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfall, gilt es, das Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen. Das Medikament kann direkt in das betroffene Blutgefäß des Gehirns verabreicht werden. Diese Lyse-Therapie, wie die Behandlung genannt wird, ist jedoch äußerst kompliziert und kann nur von Spezialisten durchgeführt werden.
Die Lyse verspricht nur Erfolg, wenn der Patient innerhalb der ersten drei bis vier Stunden nach dem Gefäßverschluss behandelt wird. Bei einer Hirnblutung darf diese Art von Therapie nicht durchgeführt werden. Auch andere schwere Erkrankungen schließen die Lyse-Therapie aus. Das Medikament setzt nämlich die Blutgerinnung stark herab. Bisher sind es nach der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe 3-8% der Betroffenen, bei denen eine Lyse-Therapie angewandt wird. Ein Grund hierfür ist, dass die Patienten häufig zu spät in die Spezialzentren eingeliefert werden.
Liegt eine Verengung der Halsschlagader vor, wie sie häufig bei Arteriosklerose (Kalkablagerungen an den Gefäßwänden) vorhanden ist, versucht man, die Ablagerungen chirurgisch zu entfernen.
Von systemischer Thrombolyse spricht man, wenn ein blutverdünnendes Medikament in den gesamten Blutkreislauf eingebracht wird. Auch hier wird das Blutgerinnsel aufgelöst, die Durchblutung wiederhergestellt. Es ist hier ebenfalls unbedingt notwendig, eine Blutung im Gehirn vorher auszuschließen.
Hämorrhagischer Infarkt
Liegt ein hämorrhagischer Infarkt (blutiger Schlaganfall) vor, wird durch blutdrucksenkende Medikamente oder eine Punktion versucht, den Druck auf das Gehirn zu senken. Eventuell kann man die Blutungsquelle auch operativ verschließen.
Lebenswichtige Funktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung sowie Urinausscheidung werden laufend überwacht.
Rehabilitation
Sobald es der körperliche Zustand des Betroffenen zulässt, ist eine Frührehabilitation nach der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe „(…) bereits in der Akutphase bzw. schon am Erkrankungstag“ empfehlenswert. Ziel ist die schnellstmögliche Rückkehr der Patienten in ihr soziales Umfeld, eventuell auch in den Beruf.
Das Therapie-Konzept nach Bobath geht davon aus, dass die gesunde Gehirnhälfte bzw. Hirnregion die Aufgaben der geschädigten Bezirke übernimmt. Die Rehabilitation wird in ambulanten oder stationären Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt.
Die Therapiemaßnahmen reichen, je nach Ausprägung der Symptome, von Krankengymnastik und Physiotherapie – bei Lähmungen – bis hin zu Logopädie für Patienten mit Sprachstörungen. Eine konsequente Durchführung des Trainings ist laut der Deutschen Schlaganfall-Hilfe zwingend notwendig. Häufig stellen sich Therapieerfolge erst ein paar Monate nach dem Schlaganfall ein. Nervenzellen können neue Funktionen erlernen, solange genug Verbindungen zwischen den einzelnen Zellen intakt sind.
Vielversprechend für eine erfolgreiche Therapie ist Sport, während und auch nach der Rehabilitation. Die Patienten lernen so spielerisch und eher unbewusst Bewegungsmuster. Die Leitlinien für Neurologie empfehlen mindestens 30 Minuten Sport dreimal pro Woche.
Rehabitationssport fördert die Mobilität, die Alltagskompetenz, die physische Leistungsfähigkeit, die Grob- und Feinmotorik und die Hirnleistung mit den kognitiven Funktionen.
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für Sport zur Rehabilitation nach Verordnung des Arztes.
Birgit Lindner
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